Dänemark
Ankertörn Juli/August 2003
Hinweis: Die farbig geränderten Bilder lassen sich durch Mausclick vergrößern.
Diese Saison
sind wir wieder dazu gekommen, uns in den dänischen
Gewässern umzusehen. Nachdem unsere Ausrüstung um ein
ordentliches
Beiboot mit Außenborder angereichert wurde,
sollte der Schwerpunkt in diesem Jahr im Aufsuchen vieler
Ankerplätze liegen. Wir hatten Glück: Der für uns zuständige
Wettergott brachte viel Sonne, warmes Wasser und moderaten Wind.
Während der Kieler Woche ging's los. Schon in der
Förde gab's einiges zu sehen. Die Marine
ist auch dieses Jahr sehr präsent, und auch die
großen Schiffe versammeln sich. Die
Sedov
kommt uns gleich beim Auslaufen aus der Förde entgegen.

Von Kiel aus ist der erste Schlag immer recht schlicht:
Fehmarn geht nur bei sehr frühem Aufstehen.
Marstal nervt mit seinem immer vollen Hafen.
Bagenkop ist ein wenig langweilig.
Damp ist für den Start zu nah.
Also war Grauhöft in der Schlei das erste
Tagesziel. Zwar kein Ankerplatz, aber es war noch gut Zeit für
einen ausgiebigen Landgang. Erstaunlicherweise fehlte uns an Bord
nichts, was wir hätten noch einkaufen müssen. Also
wurde es ein Vergnügungsspaziergang nach Kappeln mit
Inspektion der neuen Schleibrücke und dem Genuss des obligaten
Guinness.
Der zweite Tag
sollte früh begonnen werden. Um 06:00 aus den Federn,
Frühstück bei der Ausfahrt aus der Schlei und danach
Kurs Kleiner Belt. Und der Wettergott meinte es gut mit uns und
ließ das Schiffchen bei zunächst 3 Beaufort
frühstücksgerecht laufen. So ging es recht
gleichmäßig auf Gammel Pöl zu und um 11:00
hatten wir die Südostecke von Alsen zu fassen. Zur Mittagszeit
wollte uns der Wind einmal von allen Seiten anfassen, dann wurde er
kraft- und richtungslos. Wir konnten uns nur mit dem Anlassen unseres
Motors helfen, wollten wir doch ein ordentliches Stück
vorwärts kommen. Nördlich Fynshav klappte es wieder
mit den Mächten der Natur und wir zogen bei auffrischendem
Wind locker voran und erreichten die Helnaes Bucht gegen 15:00,
passierten das weite Tonnentor in die Bucht und kuschelten uns gleich
um die Ecke dicht unter Land auf der Nordseite der kleinen Insel Illum.
Im letzten Jahr hatten wir in der äußersten NW-Ecke
der Bucht bei Brunshuse schon Schweinswale zu
Besuch gehabt. Jetzt trafen wir sie gleich beim Eingang in die Bucht.
Dieses Jahr waren während des ganzen Törns viele
Fische dieser Art anzutreffen, der Fotograf war jedoch immer zu
langsam, um zum Top-Foto zu kommen. Dafür gelang der Bordfrau
die Aufnahme eines anderen scheuen Seewesens, welches nur selten an
Land getrieben wird.
Immer ruhig und geduldig bei den Aufnahmen waren die Feuerquallen.
Das war aber auch das einzig positive an ihnen. Sie gab es in diesem
Jahr so häufig wie bisher nie. Großen Ärger
machten sie immer beim Baden. So angenehm das Wasser war, so unangenehm
war ihre ständige Anwesenheit.
Unruhiges Wasser brachte uns der nächste Tag. Sobald wir den Schutz der Insel Illum verlassen hatten und frei von der Halbinsel Helnaes waren, ging es bei West 4 zunehmend 5 Beaufort Kurs 000°. Als die Insel Torö 2 Meilen voraus war, nahm der Wind weiter zu. Die Flachs vor der Insel bescherten uns einen heftigen Seegang und gaben der Fahrt einen ungemütlichen Charakter. Besser wurde es erst, als wir Baagö passierten und in die Bredningen einliefen und bei guter Geschwindigkeit auf Fänö zulaufen konnten.
Sobald wir dann in den Fänösund einbogen, waren Wind und Seegang fast auf Null reduziert. Wir ankerten dicht unter Land und freuten uns auf ein leckeres Abendessen im Cockpit mit gut gekühltem Rosewein.
Es war gut, daß wir das Diner in aller Ruhe genossen haben und der Abend auch im Cockpit bei einem, na gut zwei Glas Rotwein ausklang. Die Nacht kam nämlich mit Regen, der auch den ganzen Vormittag anhielt. Wir frönten dem Lustprinzip und blieben vom Frühstück abgesehen bis zum Nachmittag in der Koje.
Rosenvold sollte unser nächster Stop sein. Letztes Jahr hatten wir den Hafen gemieden, da er nur eine Wassertiefe von 1,50 m haben sollte. Nach Kauf eines neuen Hafenhandbuchs erwarteten wir nur 2 m und wollten das auch testen. Wir passierten den Rosenvold Pynt, eine Landzunge, die in eine Sandbank ausläuft in respektvollem Abstand und waren im Hafen sehr überrascht. Wenig freie Liegeplätze und fast alle Liegeplätze deutlich schmaler, als dass wir unser Boot hätten hineinfädeln können. Rücksichtsvoll wie wir sind, bedurfte es einiger Überredungskünste eines dänischen Skippers bis wir uns quer vor zwei Boxen legten. Der mittlerweile aufgekommene Südwestwind ließ auch kein Ankern vor dem Hafen zu.
Das kleine Schlösschen und Landgut Rosenvold entschädigte uns dann auf dem Landgang für den improvisierten Liegeplatz.
Riesenschachtelhalme in den Wäldern und ein vermutlich entlaufener Nerz waren die biologischen Höhepunkte dieses Stops.
Die am Strand aufgebaute Picknickbank verhalf uns zu einem stilvollen Abendimbiss mit Rotwein und Käse. Das hätte zwar besser nach Frankreich gepasst, aber 'gefühlt' waren wir eigentlich dort.So wie wir uns später zumindest von den Temperaturen im Mittelmeer fühlen sollten.
Bevor dieser Zustand jedoch eintritt, bekommen wir von dem Wetter, das wir zur Genüge kennen:
bedeckt; nicht kalt,aber kühl; und immer wieder Schauer.
Der Horsens Fjord ist unser Tagesziel. Hier soll es am Eingang zum Fjord auf der Insel Hjarnö eine Stelle geben, an der auch Kielboote mit dem Bug bis ans Ufer heran können. Bislang hatten wir den Fjord immer schnöde links liegen lassen. Das soll anders werden. Nun wollen wir ihn kennenlernen.
Das wollen andere auch und die sind offensichtlich schon früh am Morgen aufgestanden und losgefahren, als wir noch in süssen Träumen lagen. Jetzt haben sie die besseren Karten. Uns ist es dort zu wuhlig und so laufen wir weiter in den Fjord ein.
Überall sind Fischzuchtanlagen, so dass wir um Alrö Egehoved herumlaufen und dann im Nordwesten von Alrö Anker werfen. Dem großen Stein, der sich westlich von dieser Insel unter 60 cm Wasser versteckt, weichen wir vorher weiträumig aus.
Wir liegen nun also in einem Nebenarm des Fjords. Die Ufer sind alle weit entfernt und flach. Es sieht alles etwas konturlos aus. Wir beschließen beim Frühstück am anderen Morgen, diesen Fjord künftig wieder links liegen zu lassen.
Dieser Tag tut zunächst so, als wolle er uns verwöhnen. Das Frühstück im Cockpit zwar mit wenig Sonne aber immerhin genossen. Unter Motor aus dem Horsens Fjord auslaufen und dann bei 4-5 m/s Wind mit Genua und Groß nach NO. Leider verläßt uns der Wind bei Kalsenakke ganz, nachdem er schon eine ganze Stunde herumgemickert hatte und es geht unter Motor weiter. Es sollte nach Aarhus gehen. Jetzt gibt es jedoch immer wieder Schauer und wir überlegen ernsthaft, ob wir in Hov oder Norsminde abbrechen sollen. Wir beschließen dann aber, weiter nach Aarhus zu laufen, da der Wetterbericht in den nächsten Tagen immer wieder Schauer ankündigt und wir das in einer Großstadt interessanter überbrücken können. Nach insgesamt 4 1/2 Stunden Motorfahrt erreichen wir gegen 17 Uhr Aarhus.
Die Erinnerung erzählt uns von einem Hafenmeister, der auf dem Fahrrad und mit Trillerpfeife die Gäste an der Hafeneinfahrt in Empfang nimmt. Diese Erinnerung ist aber älter als 13 Jahre und, wie sich herausstellt, überholt. Also kein Hafenmeister mit Fahrrad und Trillerpfeife. Stattdessen vermerkt unser Logbuch: Seit 30 min vor Ankunft freundlicher Dauerregen.
Der 4.Juli - der amerikanische Nationalfeiertag - bricht an und sieht uns in Aarhus shoppen. So schön,lebendig mit interessanten Plätzen hatte ich Aarhus nicht in Erinnerung.
Nach den vielen Klein- und Kleinststädten in Dänemark begeistert uns diese große Stadt. Tolle Geschäfte, gemütliche Straßencafes an dem kleinen Flüßchen, das durch die Stadtmitte fließt und an das ich mich überhaupt nicht mehr erinnerte. Das Stöbern auf der Website von Aarhus lockte uns am Abend zum Tangotanzen in einen Park - leider gab's wieder Schauer und wir konnten uns nicht überwinden, in turnhallenähnlichen Räumen romantisch zu tanzen.
Nachdem wir unseren finanziellen Teil geleistet hatten, die Konjunktur in Dänemark zu beflügeln, Frischeproviant eingekauft und Trinkwasser gebunkert hatten, sollte es wieder in die Abgeschiedenheit gehen.
Dieser Naturhafen ist etwa 1,5 sm im Durchmesser. Seine schmale Einfahrt und die Flachs, welche die Einfahrt umgeben, verhindern, dass aus der Kalö Vig Welle hereinläuft. Legt man sich unter Land vor Anker, so wie wir bei NW um 8-10 m/s in die Nordwestecke, dann liegt man ruhig und schaut entspannt auf die Molsberge im Osten.Es gibt im Umfeld der Kalö Vig weitere interessante Ankerplätze, die wir am nächsten Nachmittag anschauen wollen.
Der Himmel ist verhangen, der Wind recht kräftig aus NW und der Weg durch die Einfahrt nur mit Motor gegenan zu schaffen. Danach laufen wir mit schönem Wind NNO 3 sm die Ostküste entlang in die Egens Vig. Diese ist zwar auch durch ein großes steiniges Flach geschützt, aber bei diesem steifen NW ist es in der Bucht doch sehr unruhig. Wir wollten unterhalb der Kalö Ruine ankern. Das gaben wir aber bereits auf, bevor wir überhaupt den Anker geworfen hatten. Nach einer Motorfahrt gegenan in die Logden Bucht stellen wir fest, dass es uns hier auch zu unruhig ist und wir bekommen Heimweh nach Knebel Vig. Eine Stunde später liegen wir am Ende unseres nachmittäglichen Ausflugs wieder dort vor Anker, wo wir 3 Stunden vorher aufgebrochen waren.